Ich habe mich vor einiger Zeit durchaus erfolgreich als investigativer Journalist versucht. Doch reichte es mir nicht nur normale und alltägliche Korruption und politische Schweinereien aufzudecken. Dies überlasse ich lieber erfahreneren Berufskollegen, die für die einschlägige Presse schreiben. Ich wollte viel lieber über das verrückte und skurrile in dieser Welt berichten. Und so bin ich – nach vielen Recherchen – auf die sowohl idyllisch als auch versteckt am angrenzenden bayrischen Wald gelegenen Nervenheilanstalt für phantastische und fiktionale Wesen des Prof. Dr. Gurgelzahn gestoßen. Nach einigen erfolglosen Anfragen, ob ich eine Reportage über seine Einrichtung führen dürfte, erhielt ich nun endlich die Genehmigung unter der Voraussetzung, daß ich nicht genauer auf die Lage dieses Kuriosums eingehe, damit die Ruhe der Patienten auch weiterhin gewährt bleibt. So konnte ich mich frei in der Anlage bewegen und mit der Erlaubnis des Professors Insassen und Personal interviewen.
Schnell wurde ich auf den vielleicht gefährlichsten Patienten des Professors aufmerksam. Graf Strigoi von Kählenbiß (Name von der Redaktion geändert). Ich wußte ein Interview mit diesem Wesen würde für viel Rummel sorgen, also beschloß ich meine Recherchearbeit bei ihm zu beginnen. Unterstützt wurde ich dabei von meiner charmanten Assistentin Ursula Leihendropp, die seit einiger Zeit ihren Faible für gutaussehende, balsshäutige Blutsauger entdeckt hat. Sie hatte soviel von charmanten und eloquenten Vampirfürsten gelesen, daß sie es kaum erwarten konnte Strigoi kennenzulernen. Allein zu dem Zwecke des Interviews hatte sie sich die Haare neu machen lassen, sich in den letzten Schick der Mode gehüllt und eine so starke Parfümwolke um sich herum aufgebaut, daß man meinen konnte sie wolle jeden Moskito grausam an Sauerstoffentzug verrecken lassen, der sich auch nur annähernd in ihre Nähe wagte. In fiebriger Erwartung auf den großen Vampirfürsten tippelte sie in den Raum, der für dieses Interview präpariert war und preßte ihre Nase ganz eng an die Glasscheibe, die uns vor den gefährlichen Bissen des Vampires schützen sollte. In sanfter Verzückung harrte sie dort, der Dinge die passieren würden.
Um so entsetzter war sie als sich dann die Tür öffnete und auf einem sackkarrenähnlichen Gebilde mit einer zwangsjackenähnlichen Vorrichtung – die ein Scherzkeks in Form eines Fledermausumhanges geschneidert hatte – fixiert unser Interviewpartner in den Raum geschoben wurde. Seine spärlichen schwarzen Haare standen in allen erdenklichen Himmelsrichtungen ab. Sein schädelhaftes weißes Gesicht beherbergte zwei tief in blutunterlaufenden Höhlen verborgene Augen, die manisch gierend nach Opfern ausschau hielten. Über seinen Mund war ein maulkorbartiger Beißschutz angebracht. Erst wehrte er sich heftig, als er von den Pflegern hereingefahren wurde, dann wurde er seltsam ruhig und starrte mit einem Blick, der abgrundtiefen Haß, unmenschliche Kälte und herablassende Überlegenheit in sich vereinte, durch die Glasscheibe ins Leere.
„W... W... W...“ Ursula war der Ohnmacht nah, aber nicht – wie erhofft – durch Verzückung, nein das eiskalte Grauen hatte von ihren Körper Besitz ergriffen.
„Ja?“, fragte der Vampirfürst kalt – sich seiner Wirkung durchaus bewußt – als er seinen Kopf zu ihr drehte und sie mit einem nichts Gutes verheißenden Lächeln zu fixieren begann. Ursula bibberte, fahl wie der Vampir selbst, vor sich hin, unfähig eine Regung zu tun. Es herrschte Stille.
„Du bist also ein Vampir?“, unterbrach ich schließlich die eiseskalte Ruhe.
Strigoi wendete sich mir zu und sprach mit leiser, leicht genüßlicher Stimme: „Ein Vampir? Nein! Ich bin ein Werwolf, das sieht man doch. Allein schon an meiner Körperbehaarung solltet ihr es erkennen. Natürlich bin ich ein Vampir! Was sollte ich denn sonst sein? Gut, gut, wegen meinen spitzen Ohren“, er drehte seine leicht fledermaushaften und damit wirklich leicht spitzen Ohren zu mir, „könnte man natürlich auch sagen bei mir handele es sich um eine albinohafte oder fehlfarbene Elfe mit einem Fehlgebiß. Aber ich bin gewiß kein Baumknutscher. Meinen Mund versenke ich viel Lieber in eine warme Halsschlagader, als das ich ihn mit der Rinde eines Baumes in Kontakt bringen würde. Pfuideibel, all das Moos und die Borke, es würde Stunden dauern dies wieder aus meinen strahlend weißen Zähnen zu puhlen. In der Zeit gönne ich mir doch viel lieber ein heißes Blutbad. Also um nochmals deine spatzenhirnige Frage zu beantworten, du wandelnde Blutkonserve: Ja, ich bin ein Vampir!“
„Ich bin für dich also nichts weiter als eine Blutkonserve?“
„Bei allen Mondkratern, welch unterbelichtetes Hirnzellendefizit hat man mir denn da nur geschickt? Ich habe schon damit gerechnet ein minderbemitteltes Wesen vor mir zu haben. Diesem ´Interview mit einem Vampir´ auch nur zugestimmt um meiner Langeweile zu entkommen! Aber deine geistigen Absonderungen übertreffen wirklich alle meine Erwartungen!“
Blicke der Verachtung trafen mich, durchbohrten mein Gehirn. Kurz rührten sie tief in meinem Inneren und ließen mich verzweifeln, dann riß ich mich von seinem hypnotisch erdrückenden Blick los.
„Wenn du mir so geistig überlegen bist, warum bin ich dann nicht auf der anderen Seite der Glasscheibe? Wieso haben sie dich hierher gebracht?“
„Du willst doch wohl nicht wegen einer kurzzeitigen Schwäche meinerseits mein ganzes Wesen beurteilen, oder?“
„Kurzzeitige Schwäche?“
„Natürlich! Nur wegen dieses kleinen Massakers so einen Aufstand zu machen!“
„Kleines Massaker?“
„Ja“, hauchte der Vampir genervt, „hat man dir denn nichts davon erzählt? Ich habe ein ganzes Dorf ausgerottet. Hast du noch nie irgendetwas von dem Kehlenbacher-Halsbiß-Massaker gehört? Das war ich!“, meinte Strigoi nicht ganz ohne stolz. Dann fuhr er mit einem leicht resignierten Tonfall fort: „Aber die anderen Vampirfürsten fanden in ihrer arroganten Kleinbürgerlichkeit, daß ein solches Massaker viel zu viel Aufmerksamkeit auf eine im Untergrund operierenden Rasse wie den Vampiren lenken könnte. Eine neue Welle der Vampirverfolgung sei nicht in ihrem Sinne. Unsere Art wird schon lange genug gejagt, gepfählt und verbrannt. Sie wollten nicht noch ein weiteres transylvanisches Massaker erleben. Deshalb haben sie mich in ihrer Kleinbürgerlichkeit hier einweisen lassen, diese Spießer!“
„Aber warum... ich meine wieso hast du überhaupt ein solches Massaker begangen?“
„Wegen Twilight natürlich! Seit es diese Missgeburt einer Frauenphantasie und die ganzen Nachahmervampirromanzenblödsinn gibt, wollen die Frauen von mir plötzlich das ich mich anders benehme, kleide und aussehe. 'Du könntest doch einen schönen Rüschenrock tragen oder wie wäre es mit ein wenig Parfüm?' 'Du willst mich beißen und hast mir noch nicht einmal ein Geschenk mitgebracht? Vergiß es!'“, begann er die holde Weiblichkeit nachzuäffen, „'Oh ja, schenk mir die Ewigkeit mit deinem Biß, auf das wir uns in unsterblicher Liebe vereinen!' 'Wie siehst du denn aus? Nein, da warte ich lieber auf einen hübscheren Vampir der mich beißt!' 'Na du kleiner Schnuckiputz, wie wäre es denn mit uns beiden für eine winzigkleine Ewigkeit?' 'Hm, also ganz mein Typ von Vampirfürst bist du ja nicht, aber wenn ich dir bei deiner Kleidung helfen würde... Ja, wir könnten einen ganz neuen Stil für dich kreieren, dann darfst du mich auch beißen, mein kleiner Schnuckipir!' Weißt du was es heißt die ganze Zeit solche Sprüche zu hören? Denken die Frauen inzwischen sie könnten über alles und jeden bestimmen? Ich bin ein furchteinflößendes Wesen der Nacht, ein Dämon der Finsternis, ein blutsaugender Gefährte der Zeit. Ein Freund des Todes und Feind des Menschen und nicht so eine Schwuchtel, die nach der Pfeife von Menschenfrauen zu tanzen hat. Ich bin eine Urgewalt, frei wie der Wind, schwarz wie die Nacht und tödlich wie die Zeit und solch minderwertige Blutkonserven wollen mir befehlen was ich zu tun habe? Nicht mit mir! Ich bin mein eigener Herr! Ich lasse mir nichts vorschreiben von NIEMANDEN! Nun gut, vielleicht habe ich ein wenig überreagiert – ich meine Nobody is perfect -, aber so ein kleiner Fehltritt kann doch mal passieren!“
„Dann bist du also nicht an Frauen interessiert?“, hauchte Ursula enttäuscht.
„An ihrem Blut schon, Schätzchen!“
Ursula ließ den Kopf hängen.
„Ach komm schon nimm´s nicht so schwer“, spottete der Vampir, „bei dir könnte ich schon schwach werden!“
„Ja!?“, fragte sie zaghaft.
„Oh ja!“, schnuppernd und schnüffelnd sog er die Luft um sich ein, „Du riechst so gut!“
„Das ist Channel No. 5!“, Hoffnung und der Anflug eines Lächelns hatte sich auf ihrem Gesicht gebildet.
„Nicht dein Parfüm, teuerste Lebenssaftbeinhalterin, deine Blutgruppe. Null negativ, ein seltener und äußerst köstlicher Genuß!“
Die folgenden Szenen können aus Rücksichtnahme des Geisteszustandes der zartbeseiteten Leser nicht weiter erörtert werden. Jedenfalls wird es wohl noch eine gewisse Zeit dauern, bis mir wieder eine charmante Assistentin zur Seite steht.
Montag, 21. November 2011
Freitag, 11. November 2011
Tretet ein in diese Hallen, Und schaut Euch um in Wohlgefallen.*
Seid willkommen Wanderer. Schön, daß Euch Eure Pfade hierhergeführt haben. Nehmt doch Platz und investiert ein wenig Zeit, denn es würde mich freuen wenn Ihr hier verweilen und Euch umsehen würdet. Vielleicht gefällt Euch gar, was Ihr hier seht und Euer Weg wird sich noch öfters hierher verirren.
Hallo und herzlich willkommen auf meinem Tintenkleckser-Blog!
Mein Name ist Bernd Badura, manche Leute würden wohl sagen ich versuche mich als Autor oder Schriftsteller; das klingt mir allerdings ein wenig hochgestochen und auch zu elitär, deshalb bezeichne ich mich selbst lieber als Geschichtenerzähler. Na gut, ab und an schreibe ich auch ein wenig Lyrik, welche nicht unbedingt eine Geschichte erzählt, aber das Spiel mit Worten und Reimen macht mir einfach zuviel Spaß, als daß ich davon lassen könnte. So wie jeder kleine, unbekannte Geschichtenerzähler wünsche natürlich auch ich mir, das einmal eines meiner Werke in Buchform gedruckt erscheint, aber das kann und wird wohl leider noch etwas dauern und bis dahin werde ich mich bemühen dieser noch recht kleinen aber hoffentlich bald schon sehr feinen Internetseite Leben einzuhauchen. Das heißt: Sie werden auf dieser Seite ein paar kleine Proben meines Schaffens, sowie Neuigkeiten und vielleicht sogar ab und an ein wenig zum philosophieren und diskutieren finden. Ich hoffe Sie finden ein wenig Muße sich einmal ein paar meiner Werke zu Gemüte zu führen. Vielleicht kann ich Sie ja sogar zu dem ein oder anderen Kommentar bewegen. Denn mitmachen, kommentieren und kritisieren ist von mir ausdrücklich erwünscht. Ich hoffe Sie haben Verständnis dafür, daß viele meiner Werke hier nicht zu finden sind, weil ich mit ihnen noch etwas Besonderes vor habe.
Und nun viel Spaß auf diesen Seiten,
ihr Bernd Badura.
* frei nach meinem Gedicht Träumerreisen
Hallo und herzlich willkommen auf meinem Tintenkleckser-Blog!
Mein Name ist Bernd Badura, manche Leute würden wohl sagen ich versuche mich als Autor oder Schriftsteller; das klingt mir allerdings ein wenig hochgestochen und auch zu elitär, deshalb bezeichne ich mich selbst lieber als Geschichtenerzähler. Na gut, ab und an schreibe ich auch ein wenig Lyrik, welche nicht unbedingt eine Geschichte erzählt, aber das Spiel mit Worten und Reimen macht mir einfach zuviel Spaß, als daß ich davon lassen könnte. So wie jeder kleine, unbekannte Geschichtenerzähler wünsche natürlich auch ich mir, das einmal eines meiner Werke in Buchform gedruckt erscheint, aber das kann und wird wohl leider noch etwas dauern und bis dahin werde ich mich bemühen dieser noch recht kleinen aber hoffentlich bald schon sehr feinen Internetseite Leben einzuhauchen. Das heißt: Sie werden auf dieser Seite ein paar kleine Proben meines Schaffens, sowie Neuigkeiten und vielleicht sogar ab und an ein wenig zum philosophieren und diskutieren finden. Ich hoffe Sie finden ein wenig Muße sich einmal ein paar meiner Werke zu Gemüte zu führen. Vielleicht kann ich Sie ja sogar zu dem ein oder anderen Kommentar bewegen. Denn mitmachen, kommentieren und kritisieren ist von mir ausdrücklich erwünscht. Ich hoffe Sie haben Verständnis dafür, daß viele meiner Werke hier nicht zu finden sind, weil ich mit ihnen noch etwas Besonderes vor habe.
Und nun viel Spaß auf diesen Seiten,
ihr Bernd Badura.
* frei nach meinem Gedicht Träumerreisen
Samstag, 14. August 2010
Deutscher phantastik Preis
Hallo alle miteinader, ich weiß ich habe lange nichts mehr von mir hören lassen und nun möchte ich auch nur kurz Werbung in eigener Sache machen. Und darum geht's:
Das Earth-Rocks Magazin, für das ich mich auch immer mal wieder in Arbeit stürze hat es doch tatsächlich in die Hauptrunde des deutschen phantastik Preises geschafft. Und da ich sehr stolz auf das Magazin bin und finde, daß es eine Chance auf den Sieg verdient hat möchte ich alle Leser meines Blogs bitten, sich beim deutschen phantastik Preis anzumelden und dort für Earth Rocks zu stimmen. Ich freue mich jedenfalls über jede Stimme.
Danke schon mal im Vorraus,
Bernd
Das Earth-Rocks Magazin, für das ich mich auch immer mal wieder in Arbeit stürze hat es doch tatsächlich in die Hauptrunde des deutschen phantastik Preises geschafft. Und da ich sehr stolz auf das Magazin bin und finde, daß es eine Chance auf den Sieg verdient hat möchte ich alle Leser meines Blogs bitten, sich beim deutschen phantastik Preis anzumelden und dort für Earth Rocks zu stimmen. Ich freue mich jedenfalls über jede Stimme.
Danke schon mal im Vorraus,
Bernd
Freitag, 21. Mai 2010
Die Pinselinsel
Ich mal mit meinem Einfallspinsel,
Mir eine traumhaft schöne Insel.
Die Sorgen laß ich alle fort,
Verbann sie ganz von diesem Ort,
Und ziehe dann so insgeheim,
Mit meiner Liebsten in ihr ein.
Mir eine traumhaft schöne Insel.
Die Sorgen laß ich alle fort,
Verbann sie ganz von diesem Ort,
Und ziehe dann so insgeheim,
Mit meiner Liebsten in ihr ein.
Donnerstag, 13. Mai 2010
Pacman frißt den Todesstern
Ein Kuriosum, das sich nach auswerten eines Wärmebildes des Saturnmondes Mimas ergeben hat (Das Bild und den entsprechenden Bericht dazu findet sich hier), hat mich zu ein paar Zeilen inspiriert:
Pacman frißt den Todesstern,
Ja, den frißt er gar so gern,
Denn unser kleiner 8-Bit Held,
Rette schließlich gern die Welt,
Und nach 256 Level punktefressen,
Wollt er gern was andres essen,
Drum fand nach einem Riesenhaps,
Der ganze Stern in seinem Magen Platz.
Dort wird er pixeltechnisch nun verdaut,
Und in Bits und Bytes wohl umgebaut.
So wurd’ das kleine Pixelwunder,
Nicht nur dicker, fetter und auch runder,
Für seine Gefräßigkeit zum Lohn,
Wurd’ er zum Held der Rebellion.
Pacman frißt den Todesstern,
Ja, den frißt er gar so gern,
Denn unser kleiner 8-Bit Held,
Rette schließlich gern die Welt,
Und nach 256 Level punktefressen,
Wollt er gern was andres essen,
Drum fand nach einem Riesenhaps,
Der ganze Stern in seinem Magen Platz.
Dort wird er pixeltechnisch nun verdaut,
Und in Bits und Bytes wohl umgebaut.
So wurd’ das kleine Pixelwunder,
Nicht nur dicker, fetter und auch runder,
Für seine Gefräßigkeit zum Lohn,
Wurd’ er zum Held der Rebellion.
Samstag, 10. April 2010
Castrop Rauxel ... ein Gedicht
Es gibt eine sehr schöne Aktion im Zuge der Kulturhauptstadt 2010, die sich Castrop Rauxel ... ein Gedicht nennt. Hierbei sollen insgesamt 2010 Gedichte im Stadtbereich Castrop-Rauxels ausgestellt werden. Die Gedichte selbst werden zum Beispiel in Parks ausgehängt, an Laternenmasten plaziert oder unter Scheibenwischern als Gedicht-Park-Tickets plaziert. Sie sollen ein eine Auswahl der besten deutschsprachigen Gedichte repräsentieren. Hinzu kommen ein paar Übersetzungen ausländischer Gedichte, sowie Gedichte von Menschen aus der ganzen Welt.
Jeder kann sich hierbei mit einem eigenen Gedicht beteiligen oder eines seiner Lieblingsgedichte für diese Aktion vorschlagen. Da ich die Aktion sympahtisch finde, hoffe ich auf eine rege Beteiligung. Ich selbst bin auch mit einem Gedicht vertreten, meinen Beitrag kann man hier finden: Toby and not Toby
Jeder kann sich hierbei mit einem eigenen Gedicht beteiligen oder eines seiner Lieblingsgedichte für diese Aktion vorschlagen. Da ich die Aktion sympahtisch finde, hoffe ich auf eine rege Beteiligung. Ich selbst bin auch mit einem Gedicht vertreten, meinen Beitrag kann man hier finden: Toby and not Toby
Sonntag, 14. März 2010
Knusper, Knusper und Knäuschen die Kanzlei für die Hexe.
Anzeige
Sehr geehrte Mithexinnen und Hexenmeister,
sind Sie es nicht auch leid sich ständig mit Hexenprozessen und der Inquisition herumzuschlagen? Würden sie nicht auch lieber auf dem Hexenbesen herum sausen, einen kleinen Urlaub zum Blocksberg unternehmen oder den räudigen Köter des Nachbarn verfluchen, als sich ständig mit Gottesurteilen und Hexenverbrennungsmaßnahmen herumzuschlagen? Nun, Ihnen kann geholfen werden! Probieren Sie ruhig in aller Ruhe Ihr neustes Gericht vom gebackenen Hänsel aus oder tauschen Sie Sich über die aktuellsten Trends der Warzenhaarfrisuren aus, denn die Kanzlei Knusper, Knusper und Knäuschen nimmt sich gerne Ihrer Rechtsprobleme an. Mit unserer Hilfe wird jede Folter zur Wellnesmassage und jeder Scheiterhaufen zu einem gemütlichen Lagerfeuer. Plagen Sie sich nicht mehr mit den verwinkelten und mit lauter Fallstricken versehenen Argumentationen eines Inquisitoren herum. Unsere Rechtsverdreher wissen wie man sie in handzahme Kröteneier verwandelt, denn Hexerei ist keine Zauberei. Wir sorgen dafür, daß nie wieder eine Hexe die unangenehmen Leiden einer Hexenverbrennung zu erdulden hat. Bei Knusper, Knusper und Knäuschen sind sie wirklich in den besten Händen und das zu günstigen Konditionen, schon für ein wenig Froschlaich und ein paar Spinnenbeinen könnte Ihr Leben unbeschwerter sein. Rufen Sie uns an und lassen Sie sich von unseren Experten beraten. Wählen Sie einfach dreimal das Hex und fünfmal den Besen.
Mittwoch, 3. März 2010
Vincent Preis
Wenn das mal keine freudige Botschaft ist. Das mit der Ruitualausgabe der Zeitschrift Earth Rocks erhältliche Hörspiel "Kind des Hasses" (für dessen Text ich mich verantwortlich zeichne) wurde für den Vincent Preis vorgeschlagen. Da es sich bei dem Vincentpreis um einen Leser bzw. in diesem Falle um einen Hörerpreis handelt, würde ich mich natürlich über jede Stimme freuen, die mein Beitrag erhält. Aber auch wenn mein Hörspiel keinen Podiumsplatz erziehlen kann, allein die Nomienierung ehrt und freut mich.
Dienstag, 12. Januar 2010
Das wiederkehrende Ritual
Unaufhörlich sauste der Federkiel der Gegenwart mit einem leichten kratzlaut über das Buch der Zeit und hinterließ auf der noch unbeschriebenen Zukunft die Tinte der Vergangenheit. Die Seite war schon fast vollgeschrieben, es sollte nur noch wenige Federstriche dauern, dann müßte der Protokollant des Geschehenen die Seite umblättern und so würde ein neues Jahr seinen Anfang nehmen.
Es ist vielleicht ein bißchen spät geworden, aber ich wollte mir die Gelegenheit trotzdem nicht entgehen lassen allen Lesern meines Blogs ein frohes neues Jahr wünschen. Und bei dieser Gelegenheit gleich mal ein paar frohe (und vielleicht auch neue) Botschaften verkünden.
Freitag, 25. Dezember 2009
Frohe Weihnachten!
Schubsen, drängen,
Sich durch enge Gänge zwängen,
Das ist für mich Weihnachtszeit.
Im überfüllten Laden fluchend,
Hektisch nach Geschenken suchend,
Gehört für mich zur Weihnachtszeit.
Schrille Lieder dröhnen stark,
Von jedem Stand am Weihnachtsmarkt.
Das ist für mich Weihnachtszeit.
Glühweingeschwängerte Glücksseeligkeit,
Die sich macht vorm Ausschank breit,
Gehört für mich zur Weihnachtszeit.
Doch auch das strahlend fröhlich Licht,
In des beschenkten Glücksgesicht,
Auch das ist für mich Weihnachtszeit.
In diesem Sinne wünsche ich einen jeden, der sich auf meineSeiten verirrt ein frohes Weihnachtsfest.
Und nun noch ein paar Videos, die vielleicht zur "Besinnlichkeit" beitragen können:
Sich durch enge Gänge zwängen,
Das ist für mich Weihnachtszeit.
Im überfüllten Laden fluchend,
Hektisch nach Geschenken suchend,
Gehört für mich zur Weihnachtszeit.
Schrille Lieder dröhnen stark,
Von jedem Stand am Weihnachtsmarkt.
Das ist für mich Weihnachtszeit.
Glühweingeschwängerte Glücksseeligkeit,
Die sich macht vorm Ausschank breit,
Gehört für mich zur Weihnachtszeit.
Doch auch das strahlend fröhlich Licht,
In des beschenkten Glücksgesicht,
Auch das ist für mich Weihnachtszeit.
In diesem Sinne wünsche ich einen jeden, der sich auf meineSeiten verirrt ein frohes Weihnachtsfest.
Und nun noch ein paar Videos, die vielleicht zur "Besinnlichkeit" beitragen können:
Samstag, 19. Dezember 2009
Winterzauber
Es hat geschneit! Ein Faktum das viele Autofahrer in den Wahnsinn treibt, zaubert mir hingegen ein breites Lächeln auf die Lippen. Und an dieser Freude würde ich den geneigten Leser gerne mit einem Vierzeiler der naiven Dichtkunst teilhaben lassen:
(Dieses Gedicht darf natürlich – so man denn bereit ist ihm eine politische Dimension einzuräumen – als Protest gegen den Klimawandel verstanden werden.)
Zauber, Zauber, Winterwelt,
Flocke die vom Himmel fällt,
Deckst die Welt und das im Nu,
Mit deinem weißen Zauber zu.
(Dieses Gedicht darf natürlich – so man denn bereit ist ihm eine politische Dimension einzuräumen – als Protest gegen den Klimawandel verstanden werden.)
Zauber, Zauber, Winterwelt,
Flocke die vom Himmel fällt,
Deckst die Welt und das im Nu,
Mit deinem weißen Zauber zu.
Montag, 19. Oktober 2009
Die Vielfalt der Tweets
Der duftende Doppelpunkt hatte zu einem Literaturpreis zum Thema Arbeitswelten gerufen. Neben eine Ausschreibung zum Thema manipulative Sprache in der Arbeitswelt, an der man noch bis zum 30. November teilnehmen kann, gab es auch einen ergänzenden Twitterwettbewerb, an dem ich mit viel Freude partizipiert habe. Meine Beiträge haben es zwar nicht ganz aufs Siegertreppchen geschafft, aber immerhin haben einige von ihnen zum Thema Vielfalt der Tweets Erwähnung gefunden. Vielen Dank dafür und vielen Dank auch für das gewonnene Buch, es hat mich sehr gefreut.
Es hat großen Spaß gemacht bei diesem kunterbunten Wettbewerb mitzutwittern und ich möchte an dieser Stelle nochmals den Sigern gratulieren.
Es hat großen Spaß gemacht bei diesem kunterbunten Wettbewerb mitzutwittern und ich möchte an dieser Stelle nochmals den Sigern gratulieren.
Montag, 28. September 2009
Alpdrücken
Die Ängste der Nacht hatten schon viele kalte, wäßrige Perlen auf meine Stirn gezaubert, während düstere Visionen und innere Ängste mich unruhig hin und her wälzen ließen und meine Laken zerwühlten. Endlich schreckte ich mit weitaufgerissenen Augen, nach Atem ringend aus meinen Angstvisionen auf, da saß der Alp noch auf meinem Bett und drückte mit Urgewalten auf meine Brust. Seine Feueraugen sahen tief in meine Seele hinein während seine schwarze Silhouette mit der Finsternis der Nacht zu verschmelzen schien.
„Die Wirklichkeit hat sie gefressen, die Träume deiner Kindheit, die Sehnsüchte deiner Jugend, nun bin ich da und ich werde sie zerschmettern deine letzten Sehnsüchte, dein Verlangen, dein zartes Streben nach Glück!“, echoten seine unausgesprochenen Worte in meiner Seele wieder, „Ja mein Freund, ich bin dein schlimmster Feind, ich kenne dich wie mich selbst und du weißt warum: Ich bin du!“
Ein Schrei wollte meinen Mund verlassen, wollte die Stille der Nacht durchbrechen und ihren Schrecken vertreiben, doch war meine Kehle wie zugeschnürt, so brachte ich nur ein leises Krächzen hervor, was mein Alp mit einem widerwärtigen Lachen kommentierte. Starr vor Angst rang ich nach Atem, mit zitternder Verzweiflung begrüßte mein Körper jedes Sauerstoffmolekül, welches in meine Blutbahn gelangen konnte. Das sadistisch triumphierende Grinsen seiner Augen machte mich schauernd. Der Alp genoß jede Sekunde seines tyrannischen Spieles, endlich nahm er den Druck von meiner Brust und ich konnte wieder frei atmen. Dankbar sogen meine fast schon mit einem anaeroben Gasgemisch gefüllten Lungen die Umgebungsluft ein, und mit ihr auch den Alp, den ich selbst geschaffen hatte. Mein panisch schlagendes Herz beruhigte sich wieder, schließlich schlief ich vor Erschöpfung ein.
Als am nächsten Morgen der Wecker klingelte schien wie zum Gruße des neuen Tages die Frühlingssonne zum Fenster hinein und vertrieb mit dem fröhlichen Vogelgezwitscher die Spukgestalten der letzten Nacht. Einzig meine durchnäßte Bettstätte war als Mahnmal ihres Schreckens verblieben. Von der Fröhlichkeit des Morgens ergriffen schlenderte ich zur Dusche und genoß wie das heiße Wasser mir den kalten Schweiß von der Haut spülte. Dann ging es mit einem Lied auf den Lippen in die Küche, wo ich mich mit ein paar aufgebackenen Croissants und heißem Kaffe für die Unternehmungen des anstehenden Tages stärkte, um mich dann – die Autoschlüssel um meinen Finger kreisen lassend – zu meinem fahrbaren Untersatz zu begeben und mich auf den Weg zur Arbeit zu machen. Ich war grade ein paar Meter gefahren, als ich bemerkte, daß sich der Frontspiegel irgendwie verstellt haben mußte. Ich wollte ihn mit ein paar schnellen Handgriffen neu justieren, da streife ein Augenpaar durch den Spiegel und ich erschauerte, erinnerten sie mich doch an die Augen, die sich gestern Nacht in meine Seele gebrannt hatten. Und obwohl es unverkennbar meine Augen waren, breitete sich doch ein großes Unwohlsein in meinem Körper aus und eine innere Stimme sagte zu mir: „Na, ist es nicht bald so weit? Dann wirst du dich verkaufen! Alles woran du geglaubt hast, wofür du die vergangenen Jahre mit viel Fleiß und Ehrlichkeit gekämpft hast, wirst du verraten. Aber es ist verständlich, der Preis war einfach viel zu gut und du bist ein wesen aus Fleisch und Blut, wie hättest du ihm widerstehen können? Du hast ihnen deine Hand darauf gegeben und in ein paar Tagen wirst du diesen Handschlag besiegeln müssen. Und mich kriegst du gratis dazu, ich bin dein Alptraum, nenn mich dein Gewissen!“
Das Auto war von der gleichen Eiseskälte erfüllt wie gestern mein Schlafzimmer. Mir schauderte es, mein ganzes Innerstes war aufgewühlt. Als mich der Wagen von der Gegenfahrbahn mir mit lauten Hupen wieder in die Wirklichkeit schleuderte. Grade rechtzeitig konnte ich das Steuer herumreißen und eine Kollision verhindern. Völlig mit den Nerven am Ende hielt ich am rechten Straßenrand und brachte mit tiefen Atemübungen mein rasendes Herz wieder unter Kontrolle. Dann endlich konnte ich den Weg zu meinem Labor wieder aufnehmen.
Die nächsten Tage verliefen verhältnismäßig ruhig, nur ein leichtes aber stetiges Unwohlsein und ein paar kleinere Magenprobleme sollten meine treuen Begleiter werden, doch blieben weitere Alpträume aus und gerieten sogar sehr bald in Vergessenheit. So, daß ich mich wie vereinbart an den Texten meiner Rede zu schaffen machen konnte. Vielleicht verspielte ich mein durch beschwerliche Arbeit erworbenes Renommee, vielleicht würde ich die Fachwelt in Aufruhr versetzen, aber dieses Wort würden in der breiten Öffentlichkeit einiges an Gewicht haben, galt ich doch als Koryphäe auf meinem Gebiet. Ich muß wohl nicht extra betonen, daß mir, bei den Arbeiten an meiner Rede, nicht grade wohl war und ich ging oft mit mir hadernd im Raum auf und ab, doch war der Preis einfach viel zu verlockend und meine Gönner waren einfach viel zu mächtig. Sie würden es mir nie verzeihen, wenn ich mein damals leichtfertig gegebenes Wort nun wieder brechen würde, dann hätte ich mit den schlimmsten Konsequenzen zu rechnen. Also machte ich mich meist widerwillig, aber auch immer wieder mit einer mir bisher unbekannten Gier meinen mir versprochenen Preis entgegenfiebernd daran, die Rede nach ihrem Gusto fertigzuschreiben. Die Zeit kroch dahin, die Sekunden bis zu dem großen Symposium – auf dem auch viele Vertreter der Presse erwartet wurden – verrannen nur sehr zäh. Es war das warten, welches mich verrückt machte. Mal wartete ich mit fiebriger Gier auf den Preis für meinen Verrat, mal wollte ich nur weg und diese Situation meiden. Manchmal hatte ich das Gefühl mich nicht mehr selbst zu kennen. War das ein neues Ich, welches mir bei der morgendlichen Toilette im Spiegel entgegenstarrte? Eines von dem ich mir oft genug wünschte es nie kennengelernt zu haben.
In diesem Zustand der Beklemmung verbrachte ich die nächsten Tage. Dann aber war es soweit, der Tag den ein Teil von mir so sehr entgegenfieberte, während ein anderer Teil das Gefühl hatte ich würde mich freiwillig meiner eigenen Kreuzigung entgegenschleppen, war gekommen. Mit einem Stein im Magen schleifte ich mich zum Frühstück und versuchte es so gut es ging hinunterzuwürgen, wie in Trance fuhr ich zum Symposium und schlich mich hinter die Bühne, wo mich drei hochgewachsene Herren mit perfekt sitzenden Anzügen abpaßten.
„Geht alles klar?“, flüsterte der mittlere von ihnen, während seine Kohleaugen in dem ansonsten aus starren Stahl geschmiedeten Gesichtszügen unruhig hin und hertanzten. Ich nickte und er überreichte mir hastig einen Briefumschlag, denn ich schnell in der Innentasche meines Anzuges verschwinden ließ. Einen Moment stutzte ich, ich hätte schwören können, daß die Augen der drei rot aufflammten, als sie sich von mir entfernten. Nein, das konnte nicht sein, derlei war unmöglich. Ich mußte mich geirrt haben, oder es waren die Lichtreflektionen der Scheinwerfer, die dieses Kuriosum verursacht hatten. Ich hatte auch keine Zeit weiter darüber nachzudenken, denn mein Vortrag sollte gleich beginnen. Auf dem Weg zum Podium spürte ich wie der Umschlag mir voll unheilvollem Verlangen in meiner Innentasche brannte. Alles schien wie im Nebel, das Getöse der Menschenmassen war weit weg, als ich mich zum Rednerpult aufmachte. Noch einmal kämpfte ich mit mir, einen Kampf der längst entschieden war. Ich versuchte Worte herauszuwürgen, schluckte schließlich den Kloß in meinem Hals herunter und begann mit möglichst sicherer Stimme zu sprechen: „Die Atomkraft ist sicher! …“
„Die Wirklichkeit hat sie gefressen, die Träume deiner Kindheit, die Sehnsüchte deiner Jugend, nun bin ich da und ich werde sie zerschmettern deine letzten Sehnsüchte, dein Verlangen, dein zartes Streben nach Glück!“, echoten seine unausgesprochenen Worte in meiner Seele wieder, „Ja mein Freund, ich bin dein schlimmster Feind, ich kenne dich wie mich selbst und du weißt warum: Ich bin du!“
Ein Schrei wollte meinen Mund verlassen, wollte die Stille der Nacht durchbrechen und ihren Schrecken vertreiben, doch war meine Kehle wie zugeschnürt, so brachte ich nur ein leises Krächzen hervor, was mein Alp mit einem widerwärtigen Lachen kommentierte. Starr vor Angst rang ich nach Atem, mit zitternder Verzweiflung begrüßte mein Körper jedes Sauerstoffmolekül, welches in meine Blutbahn gelangen konnte. Das sadistisch triumphierende Grinsen seiner Augen machte mich schauernd. Der Alp genoß jede Sekunde seines tyrannischen Spieles, endlich nahm er den Druck von meiner Brust und ich konnte wieder frei atmen. Dankbar sogen meine fast schon mit einem anaeroben Gasgemisch gefüllten Lungen die Umgebungsluft ein, und mit ihr auch den Alp, den ich selbst geschaffen hatte. Mein panisch schlagendes Herz beruhigte sich wieder, schließlich schlief ich vor Erschöpfung ein.
Als am nächsten Morgen der Wecker klingelte schien wie zum Gruße des neuen Tages die Frühlingssonne zum Fenster hinein und vertrieb mit dem fröhlichen Vogelgezwitscher die Spukgestalten der letzten Nacht. Einzig meine durchnäßte Bettstätte war als Mahnmal ihres Schreckens verblieben. Von der Fröhlichkeit des Morgens ergriffen schlenderte ich zur Dusche und genoß wie das heiße Wasser mir den kalten Schweiß von der Haut spülte. Dann ging es mit einem Lied auf den Lippen in die Küche, wo ich mich mit ein paar aufgebackenen Croissants und heißem Kaffe für die Unternehmungen des anstehenden Tages stärkte, um mich dann – die Autoschlüssel um meinen Finger kreisen lassend – zu meinem fahrbaren Untersatz zu begeben und mich auf den Weg zur Arbeit zu machen. Ich war grade ein paar Meter gefahren, als ich bemerkte, daß sich der Frontspiegel irgendwie verstellt haben mußte. Ich wollte ihn mit ein paar schnellen Handgriffen neu justieren, da streife ein Augenpaar durch den Spiegel und ich erschauerte, erinnerten sie mich doch an die Augen, die sich gestern Nacht in meine Seele gebrannt hatten. Und obwohl es unverkennbar meine Augen waren, breitete sich doch ein großes Unwohlsein in meinem Körper aus und eine innere Stimme sagte zu mir: „Na, ist es nicht bald so weit? Dann wirst du dich verkaufen! Alles woran du geglaubt hast, wofür du die vergangenen Jahre mit viel Fleiß und Ehrlichkeit gekämpft hast, wirst du verraten. Aber es ist verständlich, der Preis war einfach viel zu gut und du bist ein wesen aus Fleisch und Blut, wie hättest du ihm widerstehen können? Du hast ihnen deine Hand darauf gegeben und in ein paar Tagen wirst du diesen Handschlag besiegeln müssen. Und mich kriegst du gratis dazu, ich bin dein Alptraum, nenn mich dein Gewissen!“
Das Auto war von der gleichen Eiseskälte erfüllt wie gestern mein Schlafzimmer. Mir schauderte es, mein ganzes Innerstes war aufgewühlt. Als mich der Wagen von der Gegenfahrbahn mir mit lauten Hupen wieder in die Wirklichkeit schleuderte. Grade rechtzeitig konnte ich das Steuer herumreißen und eine Kollision verhindern. Völlig mit den Nerven am Ende hielt ich am rechten Straßenrand und brachte mit tiefen Atemübungen mein rasendes Herz wieder unter Kontrolle. Dann endlich konnte ich den Weg zu meinem Labor wieder aufnehmen.
Die nächsten Tage verliefen verhältnismäßig ruhig, nur ein leichtes aber stetiges Unwohlsein und ein paar kleinere Magenprobleme sollten meine treuen Begleiter werden, doch blieben weitere Alpträume aus und gerieten sogar sehr bald in Vergessenheit. So, daß ich mich wie vereinbart an den Texten meiner Rede zu schaffen machen konnte. Vielleicht verspielte ich mein durch beschwerliche Arbeit erworbenes Renommee, vielleicht würde ich die Fachwelt in Aufruhr versetzen, aber dieses Wort würden in der breiten Öffentlichkeit einiges an Gewicht haben, galt ich doch als Koryphäe auf meinem Gebiet. Ich muß wohl nicht extra betonen, daß mir, bei den Arbeiten an meiner Rede, nicht grade wohl war und ich ging oft mit mir hadernd im Raum auf und ab, doch war der Preis einfach viel zu verlockend und meine Gönner waren einfach viel zu mächtig. Sie würden es mir nie verzeihen, wenn ich mein damals leichtfertig gegebenes Wort nun wieder brechen würde, dann hätte ich mit den schlimmsten Konsequenzen zu rechnen. Also machte ich mich meist widerwillig, aber auch immer wieder mit einer mir bisher unbekannten Gier meinen mir versprochenen Preis entgegenfiebernd daran, die Rede nach ihrem Gusto fertigzuschreiben. Die Zeit kroch dahin, die Sekunden bis zu dem großen Symposium – auf dem auch viele Vertreter der Presse erwartet wurden – verrannen nur sehr zäh. Es war das warten, welches mich verrückt machte. Mal wartete ich mit fiebriger Gier auf den Preis für meinen Verrat, mal wollte ich nur weg und diese Situation meiden. Manchmal hatte ich das Gefühl mich nicht mehr selbst zu kennen. War das ein neues Ich, welches mir bei der morgendlichen Toilette im Spiegel entgegenstarrte? Eines von dem ich mir oft genug wünschte es nie kennengelernt zu haben.
In diesem Zustand der Beklemmung verbrachte ich die nächsten Tage. Dann aber war es soweit, der Tag den ein Teil von mir so sehr entgegenfieberte, während ein anderer Teil das Gefühl hatte ich würde mich freiwillig meiner eigenen Kreuzigung entgegenschleppen, war gekommen. Mit einem Stein im Magen schleifte ich mich zum Frühstück und versuchte es so gut es ging hinunterzuwürgen, wie in Trance fuhr ich zum Symposium und schlich mich hinter die Bühne, wo mich drei hochgewachsene Herren mit perfekt sitzenden Anzügen abpaßten.
„Geht alles klar?“, flüsterte der mittlere von ihnen, während seine Kohleaugen in dem ansonsten aus starren Stahl geschmiedeten Gesichtszügen unruhig hin und hertanzten. Ich nickte und er überreichte mir hastig einen Briefumschlag, denn ich schnell in der Innentasche meines Anzuges verschwinden ließ. Einen Moment stutzte ich, ich hätte schwören können, daß die Augen der drei rot aufflammten, als sie sich von mir entfernten. Nein, das konnte nicht sein, derlei war unmöglich. Ich mußte mich geirrt haben, oder es waren die Lichtreflektionen der Scheinwerfer, die dieses Kuriosum verursacht hatten. Ich hatte auch keine Zeit weiter darüber nachzudenken, denn mein Vortrag sollte gleich beginnen. Auf dem Weg zum Podium spürte ich wie der Umschlag mir voll unheilvollem Verlangen in meiner Innentasche brannte. Alles schien wie im Nebel, das Getöse der Menschenmassen war weit weg, als ich mich zum Rednerpult aufmachte. Noch einmal kämpfte ich mit mir, einen Kampf der längst entschieden war. Ich versuchte Worte herauszuwürgen, schluckte schließlich den Kloß in meinem Hals herunter und begann mit möglichst sicherer Stimme zu sprechen: „Die Atomkraft ist sicher! …“
Montag, 18. Mai 2009
Die Geburt der Freiheit
Es kam der Tag da wurde die Freiheit – wie aus einer Idee, einer stillen Sehnsucht, heraus – geboren. Und die Menschen sahen die Freiheit – sahen wie kostbar sie war – und rühmten ihre Schönheit. Schnell hatten sie begriffen, daß solch eine Kostbarkeit wie die Freiheit eines großen Schutzes bedurfte und ein jeder hatte ein wachsames Auge auf sie, wann immer er es entbehren konnte. Aber reichte das? Sie war so schön, so verletzlich, so kostbar, man konnte unmöglich zulassen, daß ihr etwas geschieht. Deshalb wurden extra für sie Tücher aus allerfeinster Sicherheit gewebt, in die sie dann gewickelt wurde. Erst waren es nur ein paar, damit ihr auch ja nichts geschehen möge, doch wurden es bald immer mehr und mehr und von der Freiheit war nicht mehr allzuviel zu sehen. Und obwohl sie nun von einigen mit Argusaugen bewacht wurde, so schwand sie doch dahin unter ihren Gewändern aus Sicherheit und Schutz. Niemand konnte sagen wo die Freiheit geblieben war, nur ab und an war ein in dicke Tüchern gehülltes Gespenst zu sehen, wie es sich – einen Schritt nach dem anderen vor sich hinstolpernd – durch die Welt der Thesen bewegte.
Sagte ich ein Gespenst? Nein, es war vielmehr eine leise Ahnung, die Idee eines Gespenstes, und wer weiß schon was aus dieser Idee geboren wird.
Sagte ich ein Gespenst? Nein, es war vielmehr eine leise Ahnung, die Idee eines Gespenstes, und wer weiß schon was aus dieser Idee geboren wird.
Freitag, 15. Mai 2009
The big bang
Many aeons there was nothing, then - suddenly - something totally unexpected happened:
In a final solution time concluded that space will expand.
So, time was born...
...and also space.
In a final solution time concluded that space will expand.
So, time was born...
...and also space.
Freitag, 10. April 2009
Das Hausmonster
Der Schnauberling
Es war wieder einmal einer dieser fürchterlichen Tage, wo der Wind durch die Ritzen des alten Gemäuers heulte und mich frösteln ließ. Wie weit dieses einst so stattliche Herrenhaus doch heruntergekommen war! Kaum ein Fenster war noch intakt, viele mußten gar mit Brettern vernagelt werden um so wenigstens ein wenig Schutz vor den Launen des Wetters bieten zu können. Das meiste der wunderbaren Teppiche, Wandbehänge, wundervollen Gemälde und des restlichen Zierrats mußte ich längst veräußern, um die allzu hohe Steuer bezahlen zu können. Auch fand sich in vielen Zimmern eine dicke Staubschicht, die es sich auf den alten, abgenutzten Möbeln gemütlich gemacht hatte. Was sollte ich tun? Gesinde gab es nicht mehr und ich alleine war nicht in der Lage das Haus sauber und in stand zu halten. Und trotzdem hatte dieses alte Anwesen es immer wieder vermocht, mich aufzuheitern; war es für mich doch der Ort an dem ich geboren und aufgewachsen bin. Noch heute kommen mir wunderschöne Erinnerungen – wie aus einer vergessenen Zeit – ins Gedächtnis, wenn ich den ein oder anderen silbernen Kandelaber durch meine Finger gleiten lasse. Dann erstrahlt das Haus in seiner alten Pracht, sind die vergilbten, teils schon heruntergekommenen Tapeten an den Wänden wieder blütenweiß und mit wunderschönen Ornamenten verziert. Wie durch einen Zauber sehe ich die Gesichter meiner Eltern vor mir oder wie das Gesinde samt Kinder dieses Haus mit einer fröhlichen Geschäftigkeit erfüllt, daß es mir in dieser wundersamen Melancholie ganz anders zumute wird und mein Herz zugleich von ebenso tiefer Freude als auch Trauer ergriffen wird, die mich immer noch an diesem Haus festhalten lassen.
Doch heute zerrte der Wind allzusehr an den Balken und ließ das Gemäuer dermaßen klagend aufheulen, daß mein ganzes Sinnen mit Schwermut angefüllt war. Und als ich dann noch die schleimiggrünen Hinterlassenschaften des kleinen Schnauberlings – die er bei dem Versuch an die im oberen Regal befindliche Keksdose zu gelangen auf den aufgestapelten Töpfen und Pfannen der Küche hinterlassen hat – entdecken mußte, wurde ich von einem Ekel und einer Wut ergriffen die mir sonst allzu fremd erscheinen. Mit einem Male verfluchte ich den Tag, als ich mich erbarmte diese armselige Kreatur, die sich vom Unrat der Dorfbevölkerung ernährte und von dieser sogleich erschlagen würde, wenn sie ihrer ansichtig geworden wäre, in mein Haus aufnahm. Als ich ihm zum ersten Mal ansichtig wurde, fürchtete ich mich noch vor diesem ausgemergelten, Wesen, daß mit seinen dünnen Armen und Beinen wohl am ehesten humanoide Formen besaß, durch seine Schwimmhäute zwischen Fingern und Zehen, der schleimig grünen Haut sowie seinem großen gelben Augen und dem breiten mit vielen kleinen, spitzen Zähnen bewehrten Maul ebenso an ein Frosch erinnert. Ich wich erschrocken zurück, nicht wissend was zu tun noch wie zu handeln, tat dies jedoch so tölpelhaft und ungeschickt, daß mich das Wesen dabei bemerkte und nun seinerseits die Flucht ergriff. Dann blieb es in sicherer Entfernung stehen und beobachtete mich. Fixierte mich mit seinen großen gelben Augen, während es unsicher stehend schwankte. Es überlegte, wägte ab ob es die Flucht ergreifen oder zu seinem Mahl zurückkehren sollte. Schließlich – nachdem wir uns schon eine ganze Weile regungslos gegenüberstanden – obsiegte der Hunger dieser Kreatur und sie kehrte zu ihrem Freßplatz zurück. Fasziniert von einem solchen Wesen stand ich wie gebannt da, wagte nicht mich zu bewegen, bis es mit seiner Mahlzeit beendete und in der Dunkelheit der Nacht verschwand. Immer wieder kehrte ich nun zu diesem Platz zurück und beobachtete diese Kreatur - welche ich dank seiner Laute bald als Schnauberling betitelte – voll Faszination. Mit der Zeit fühlte ich mich diesem Wesen verbunden und konnte bald nicht mehr umhin – als ich das arme und im höchsten Maße harmlose Monstrum sah, wie es dort schnaubend und röchelnd nach Nahrung suchte – ich mußte es mit Futter versorgen. Schon bald wurde ich dem ausgemergelten, grünen Wesen, so anvertraut, daß es mir – so wir denn alleine waren – auf Schritt und Tritt hin folgte, bis es schließlich mein Hausgast wurde. Ich denke, ich sah in ihm damals das Spiegelbild meines eigenen Schicksals, mieden mich die Dorfbewohner doch von jenem Tage an, als ich das Haus geerbt hatte. Mein seliger Vater, so wurde nämlich gemunkelt und – von den Sybillen und Vetteln dieses Dorfes immer wieder gerne am abendlichen Feuer mit der Angst und Faszination, die eine solche Schauergeschichte in sich birgt – immer wieder gerne erzählt, sei mit dämonischen Mächten im Bunde gewesen. Wie sonst könne man sich erklären, daß bei seinem Tode ein lauter Knall das Dorf erschütterte und er mit viel Rauch und Schwefeldüften durch den Kamin geschleudert wurde, mitten auf die Straße die zum Dorfe führte, wo sein Leichnam mit angstverzerrter Fratze liegen blieb. Ich für meinen Teil weiß was wirklich geschah und führe die wahren Begebenheiten seines Todes auf eines seiner vielen mißglückten alchemistischen Experimente zurück. Für die Dorfbewohner aber war dies Beweis genug, um dieses Haus und all seine Einwohner – die recht schnell auf mich alleine schrumpften – zu meiden. Nur sehr wenige von ihnen, meist welche die mir schon in Kindertagen wohlgesonnen waren, konnte ich ab und an überreden, mir Arbeit gegen Bezahlung oder Verpflegung zu überantworten. Dafür gebührt ihnen bis heute mein größter Dank, wäre ich doch ohne sie dazu verdammt gewesen meine Kindheits- und Jugenderinnerungen hinter mir zurückzulassen und mein Glück in der Fremde zu suchen. Klüger wäre dies allemal gewesen und ich werde es sicherlich auch eines Tages tun, bisher jedoch konnte mein Herz sich nicht zu einem solchen Schritte entscheiden.
Während ich diese Zeilen schreibe will ich also nochmals meinen – nun hätte ich fast Freunde geschrieben, doch Freunde waren meine Helfer nicht. Der, der einem Freund am nächsten kam, denjenigen war ich grade dabei in Gedanken wüst zu beschimpfen und zu verunglimpfen, denn der Schnauberling war der einzige, der meine Nähe für längere Zeit ertrug, ohne daß sich dabei seine Augen mit Angst anfüllten. Doch heute ertrug ich ihn nicht! Weder seine schnaubende Art noch seinen widerlich unterwürfig kriechenden Gang! Vor allem aber, brachten mich seine schleimigen Hinterlassenschaften, die dieses eh schon gebeutelte Gemäuer verunreinigten, dazu dieses Wesen – welches ich ansonsten immer mit großer Nachsicht begegnete – fast aus dem Haus zu werfen. Vielleicht kamen meine allzu finsteren Gemütsregungen ja nur von dem Unwetter kündenden Wind und den Gewitterwolken, die sich weiter südlich Unheil dräuend zusammenbrauten und langsam in meine Richtung zogen. Doch bis auf ein paar Blitze, die in den unbearbeiteten Äckern und Wiesen meines Besitztums herniedergingen und unheilschwangeres Donnergrollen wollten sie nichts von ihrer schweren Last auf das teils schon undichte Dach meines Anwesens entlassen, dafür aber sollten sie einen anderen, viel unwillkommeneren Gast das Geleit zu meinem Anwesen geben. Denn kaum waren die letzten gewitterschwangern Wolken über diesen Landstrich hinfortgezogen, als auch schon jemand mit fordernder Vehemenz den Türklopfer betätigte. Sofort war mir klar, daß der Großrevisor des Grafen wieder einmal mit Kutsche und Stab zu meinen Anwesen vorgefahren war, um die fällig gewordenen Steuern einzukassieren. Wer sonst sollte sich in die Nähe meines Anwesens wagen?
Mißmutig bewegte ich mich zur Tür, wußte ich doch nur zu genau, daß wieder ein guter Teil meines Hausstandes veräußert werden mußte. Langsam öffnete ich sie und da stand er, in feinste Tücher gehüllt und mit kaltem Blicke die Angst leidlich überspielend, die selbst er vor diesem Anwesen hatte. Wie immer verlor er nicht einmal die Zeit für eine Begrüßungsformel und trug gleich mit kaltem sachlichen Tonfall den Grund seines Besuches vor: „Ihro Hochwohlgeboren, der Graf schickt mich die Steuer einzutreiben, die ihr ihm schuldig seid!“
„Nun denn, so wollen wir dem Grafen geben was des Grafen ist!“, erwiderte ich mit gespielter Höflichkeit; genau wissend, daß dieses Anwesen dem Grafen ein Dorn im Auge war – es verschandelte nicht nur die Landschaft, es machte auch die abergläubische Dorfbevölkerung ganz verrückt. Deshalb wohl gewährte mir der Graf in all seiner – leider vom Gesetze her berechtigten – Eigenmächtigkeit einen besonders hohen Steuersatz.
„Wieviel soll es denn diesmal sein?“
„Ihro Gnaden haben in all ihrer Bescheidenheit beschlossen, daß es sich diesmal bloß um dreitausend Goldmark zu handeln habe!“
„Dreitausend Goldmark?“, mir wurde ganz bleich um die Nase und Schwindel ergriff mich, „Bei allen Mächten des Himmels, um dies aufzubringen müßte ich das gesamte Anwesen veräußern!“
„Und was wäre schlimm daran?“, meinte der Revisor mit einem allzu sarkastischen Unterton, „Dann könnte es endlich in die Hände eines wohlhabenderen Mannes fallen, dem Grafen zum Beispiel. Und dieser Schandfleck von Spukhaus könnte – als Beispiel – einem Lustschloß weichen.“
„Ach und was wird dabei aus mir?“, blaffte ich dem Großrevisor an.
„Waret euren Ton, so daß er meiner angemessen bleibt!“, wurde ich in einem kühlen, überlegenen Tonfall ermahnt, wohlwissend, daß mehrere Beamte die Kutsche verlassen hatten um mich, falls notwendig mit Gewalt in die Schranken zu weisen.
„Ihr?“, fuhr er dann mit sachlichem Tone fort, „Nun auch für solche Eventualitäten hat der Graf in seiner großen Güte vorgesorgt. Schließlich hat er für solche Fälle das Armenhaus errichten lassen!“
Wut kochte in mir hoch und ich mußte mich stark zurückhalten um den Revisor nicht mit einem Faustschlag niederzustrecken. Doch waren mir die Konsequenzen leider viel zu gewahr und deshalb ließ ich ab von diesem Tun. Aber mir mußte möglichst schnell etwas einfallen, sonst wäre meine Geburtsstätte für immer verloren gewesen. So griff ich denn meinen erstbesten Gedanken auf: „Ihr wißt schon, das auf diesem Anwesen ein Fluch liegt?“
„Ein Fluch?“, kurz entglitten dem Revisor die Gesichtszüge, doch schon hatte er sich wieder gefaßt.
„Jawohl, ein Fluch! Mein Vater, dem es nach seinem Tode nicht vergönnt war in die Seeligkeit der Ewigkeit heimzukehren, und der hier immer noch spukt“, log ich, „hat ihn eines Nächtens ausgesprochen, als er rastlos durch die leeren Zimmer schritt, wohlwissend wieviel von unserem Hausstand ich veräußern mußte um eure Steuern zu bezahlen!“
„Und was soll das für ein Fluch gewesen sein?“, versuchte mir der nicht sehr gute Schauspieler furchtlos ins Gesicht zu lachen.
„Na, daß er all diejenigen die sich an mir, diesem Anwesen oder seinen Besitztümern unrechtmäßig vergreifen mit einem furchtbaren und grausamen Tod bedenken würde!“, wählte ich meine Worte mit forscher Zunge und haßerfüllten Blick, auf das sie auch in keinem Falle ihre Wirkung verfehlen mögen, „Das wäret dann ihr, der Graf und auch sonst ein jeder, der seine Finger in diesem Ränkespiel um dieses Anwesen auszustrecken wagt!“
Diesmal hatte der Großrevisor sein schauspielerisches Talent besser unter Kontrolle. Nur ein Schweißtropfen, der da seiner Stirn herunterrann, wußte von seiner unausgesprochenen Angst zu zeugen, als er mit klarem deutlichem Wort ein „Humbug!“ in die Abendluft entließ.
„Dann war dies auch nur eine Böe!“, kommentierte ich den nächsten Windstoß, der dort durch die Ritzen des alten Gemäuers heulte.
„Ja genau, eine Böe!“, wiederholte der unerwünschte Gast auf meinem Land ein wenig unsicher geworden meine Worte.
„So?“, meinte ich süffisant, „Dann tretet doch ein! Oder fehlt euch der Mut dazu?“
Ich spielte mit dem Feuer, ich spekulierte, nie hätte ich gedacht, daß er meiner Einladung folge leisten würde. Nie zuvor hatte er dies getan, so oft ich ihn auch reingebeten hatte. Und auch diesmal sah ich, wie er sich dagegen sträubte. Doch er nahm allen Mut zusammen, faste sich – dem Kloß im Halse Raum verschaffend – am Kragen und wagte dann einen Schritt über die Türschwelle.
„Dieses Spiel hast du verloren!“, dachte ich bei mir und wollte schon alle Hoffnung fahren lassen, als mit einem Male von oben ein Rasseln, ein Poltern, dann ein schriller unmenschlich klingender Aufschrei zu hören war, auf dem als Finale ein lauter Knall folgte. Der Revisor erstarrte augenblicklich zur schreckensbleichen Salzsäule. Drehte sich taumelnd der Ohnmacht nahe um und wankte, so schnell es seine weichen Knie erlaubten, mit festem Griff das Geländer umfassend, die Treppenstufen meiner Veranda hinunter., Bevor er zur Kutsche hinuntereilte, die der ebensobleiche Kutscher fast schon ohne ihn fortgetrieben hätte. Dann stoben sie davon.
Ich muß gestehen, auch mir hatte dieser Vorfall den Schrecken ins Gebein gejagt und ich brauchte einiges an Überwindung um in den ersten Stock zu gehen, wo ich die Herkunft dieser Laute vermutete. Endlich, als ich – nach ein paar Räumen – in der Küche angelangt war, sah ich zu meiner großen Überraschung und Erheiterung den Schnauberling vor mir liegen, auf seinem Kopf thronte noch der Suppentopf und ein kleinerer Topf zierte seinen Fuß als Schuhwerk. Hach, was mußte ich lachen, als der Schnauberling mich mit großen Augen schuldbewußt ansah. Auch wenn ich die Keksdose vielleicht besser anderen Orts aufbewahren sollte - ich muß zugeben: manchmal kann auch ein verfressener Schnauberling im Haus von nutzen sein.
Es war wieder einmal einer dieser fürchterlichen Tage, wo der Wind durch die Ritzen des alten Gemäuers heulte und mich frösteln ließ. Wie weit dieses einst so stattliche Herrenhaus doch heruntergekommen war! Kaum ein Fenster war noch intakt, viele mußten gar mit Brettern vernagelt werden um so wenigstens ein wenig Schutz vor den Launen des Wetters bieten zu können. Das meiste der wunderbaren Teppiche, Wandbehänge, wundervollen Gemälde und des restlichen Zierrats mußte ich längst veräußern, um die allzu hohe Steuer bezahlen zu können. Auch fand sich in vielen Zimmern eine dicke Staubschicht, die es sich auf den alten, abgenutzten Möbeln gemütlich gemacht hatte. Was sollte ich tun? Gesinde gab es nicht mehr und ich alleine war nicht in der Lage das Haus sauber und in stand zu halten. Und trotzdem hatte dieses alte Anwesen es immer wieder vermocht, mich aufzuheitern; war es für mich doch der Ort an dem ich geboren und aufgewachsen bin. Noch heute kommen mir wunderschöne Erinnerungen – wie aus einer vergessenen Zeit – ins Gedächtnis, wenn ich den ein oder anderen silbernen Kandelaber durch meine Finger gleiten lasse. Dann erstrahlt das Haus in seiner alten Pracht, sind die vergilbten, teils schon heruntergekommenen Tapeten an den Wänden wieder blütenweiß und mit wunderschönen Ornamenten verziert. Wie durch einen Zauber sehe ich die Gesichter meiner Eltern vor mir oder wie das Gesinde samt Kinder dieses Haus mit einer fröhlichen Geschäftigkeit erfüllt, daß es mir in dieser wundersamen Melancholie ganz anders zumute wird und mein Herz zugleich von ebenso tiefer Freude als auch Trauer ergriffen wird, die mich immer noch an diesem Haus festhalten lassen.
Doch heute zerrte der Wind allzusehr an den Balken und ließ das Gemäuer dermaßen klagend aufheulen, daß mein ganzes Sinnen mit Schwermut angefüllt war. Und als ich dann noch die schleimiggrünen Hinterlassenschaften des kleinen Schnauberlings – die er bei dem Versuch an die im oberen Regal befindliche Keksdose zu gelangen auf den aufgestapelten Töpfen und Pfannen der Küche hinterlassen hat – entdecken mußte, wurde ich von einem Ekel und einer Wut ergriffen die mir sonst allzu fremd erscheinen. Mit einem Male verfluchte ich den Tag, als ich mich erbarmte diese armselige Kreatur, die sich vom Unrat der Dorfbevölkerung ernährte und von dieser sogleich erschlagen würde, wenn sie ihrer ansichtig geworden wäre, in mein Haus aufnahm. Als ich ihm zum ersten Mal ansichtig wurde, fürchtete ich mich noch vor diesem ausgemergelten, Wesen, daß mit seinen dünnen Armen und Beinen wohl am ehesten humanoide Formen besaß, durch seine Schwimmhäute zwischen Fingern und Zehen, der schleimig grünen Haut sowie seinem großen gelben Augen und dem breiten mit vielen kleinen, spitzen Zähnen bewehrten Maul ebenso an ein Frosch erinnert. Ich wich erschrocken zurück, nicht wissend was zu tun noch wie zu handeln, tat dies jedoch so tölpelhaft und ungeschickt, daß mich das Wesen dabei bemerkte und nun seinerseits die Flucht ergriff. Dann blieb es in sicherer Entfernung stehen und beobachtete mich. Fixierte mich mit seinen großen gelben Augen, während es unsicher stehend schwankte. Es überlegte, wägte ab ob es die Flucht ergreifen oder zu seinem Mahl zurückkehren sollte. Schließlich – nachdem wir uns schon eine ganze Weile regungslos gegenüberstanden – obsiegte der Hunger dieser Kreatur und sie kehrte zu ihrem Freßplatz zurück. Fasziniert von einem solchen Wesen stand ich wie gebannt da, wagte nicht mich zu bewegen, bis es mit seiner Mahlzeit beendete und in der Dunkelheit der Nacht verschwand. Immer wieder kehrte ich nun zu diesem Platz zurück und beobachtete diese Kreatur - welche ich dank seiner Laute bald als Schnauberling betitelte – voll Faszination. Mit der Zeit fühlte ich mich diesem Wesen verbunden und konnte bald nicht mehr umhin – als ich das arme und im höchsten Maße harmlose Monstrum sah, wie es dort schnaubend und röchelnd nach Nahrung suchte – ich mußte es mit Futter versorgen. Schon bald wurde ich dem ausgemergelten, grünen Wesen, so anvertraut, daß es mir – so wir denn alleine waren – auf Schritt und Tritt hin folgte, bis es schließlich mein Hausgast wurde. Ich denke, ich sah in ihm damals das Spiegelbild meines eigenen Schicksals, mieden mich die Dorfbewohner doch von jenem Tage an, als ich das Haus geerbt hatte. Mein seliger Vater, so wurde nämlich gemunkelt und – von den Sybillen und Vetteln dieses Dorfes immer wieder gerne am abendlichen Feuer mit der Angst und Faszination, die eine solche Schauergeschichte in sich birgt – immer wieder gerne erzählt, sei mit dämonischen Mächten im Bunde gewesen. Wie sonst könne man sich erklären, daß bei seinem Tode ein lauter Knall das Dorf erschütterte und er mit viel Rauch und Schwefeldüften durch den Kamin geschleudert wurde, mitten auf die Straße die zum Dorfe führte, wo sein Leichnam mit angstverzerrter Fratze liegen blieb. Ich für meinen Teil weiß was wirklich geschah und führe die wahren Begebenheiten seines Todes auf eines seiner vielen mißglückten alchemistischen Experimente zurück. Für die Dorfbewohner aber war dies Beweis genug, um dieses Haus und all seine Einwohner – die recht schnell auf mich alleine schrumpften – zu meiden. Nur sehr wenige von ihnen, meist welche die mir schon in Kindertagen wohlgesonnen waren, konnte ich ab und an überreden, mir Arbeit gegen Bezahlung oder Verpflegung zu überantworten. Dafür gebührt ihnen bis heute mein größter Dank, wäre ich doch ohne sie dazu verdammt gewesen meine Kindheits- und Jugenderinnerungen hinter mir zurückzulassen und mein Glück in der Fremde zu suchen. Klüger wäre dies allemal gewesen und ich werde es sicherlich auch eines Tages tun, bisher jedoch konnte mein Herz sich nicht zu einem solchen Schritte entscheiden.
Während ich diese Zeilen schreibe will ich also nochmals meinen – nun hätte ich fast Freunde geschrieben, doch Freunde waren meine Helfer nicht. Der, der einem Freund am nächsten kam, denjenigen war ich grade dabei in Gedanken wüst zu beschimpfen und zu verunglimpfen, denn der Schnauberling war der einzige, der meine Nähe für längere Zeit ertrug, ohne daß sich dabei seine Augen mit Angst anfüllten. Doch heute ertrug ich ihn nicht! Weder seine schnaubende Art noch seinen widerlich unterwürfig kriechenden Gang! Vor allem aber, brachten mich seine schleimigen Hinterlassenschaften, die dieses eh schon gebeutelte Gemäuer verunreinigten, dazu dieses Wesen – welches ich ansonsten immer mit großer Nachsicht begegnete – fast aus dem Haus zu werfen. Vielleicht kamen meine allzu finsteren Gemütsregungen ja nur von dem Unwetter kündenden Wind und den Gewitterwolken, die sich weiter südlich Unheil dräuend zusammenbrauten und langsam in meine Richtung zogen. Doch bis auf ein paar Blitze, die in den unbearbeiteten Äckern und Wiesen meines Besitztums herniedergingen und unheilschwangeres Donnergrollen wollten sie nichts von ihrer schweren Last auf das teils schon undichte Dach meines Anwesens entlassen, dafür aber sollten sie einen anderen, viel unwillkommeneren Gast das Geleit zu meinem Anwesen geben. Denn kaum waren die letzten gewitterschwangern Wolken über diesen Landstrich hinfortgezogen, als auch schon jemand mit fordernder Vehemenz den Türklopfer betätigte. Sofort war mir klar, daß der Großrevisor des Grafen wieder einmal mit Kutsche und Stab zu meinen Anwesen vorgefahren war, um die fällig gewordenen Steuern einzukassieren. Wer sonst sollte sich in die Nähe meines Anwesens wagen?
Mißmutig bewegte ich mich zur Tür, wußte ich doch nur zu genau, daß wieder ein guter Teil meines Hausstandes veräußert werden mußte. Langsam öffnete ich sie und da stand er, in feinste Tücher gehüllt und mit kaltem Blicke die Angst leidlich überspielend, die selbst er vor diesem Anwesen hatte. Wie immer verlor er nicht einmal die Zeit für eine Begrüßungsformel und trug gleich mit kaltem sachlichen Tonfall den Grund seines Besuches vor: „Ihro Hochwohlgeboren, der Graf schickt mich die Steuer einzutreiben, die ihr ihm schuldig seid!“
„Nun denn, so wollen wir dem Grafen geben was des Grafen ist!“, erwiderte ich mit gespielter Höflichkeit; genau wissend, daß dieses Anwesen dem Grafen ein Dorn im Auge war – es verschandelte nicht nur die Landschaft, es machte auch die abergläubische Dorfbevölkerung ganz verrückt. Deshalb wohl gewährte mir der Graf in all seiner – leider vom Gesetze her berechtigten – Eigenmächtigkeit einen besonders hohen Steuersatz.
„Wieviel soll es denn diesmal sein?“
„Ihro Gnaden haben in all ihrer Bescheidenheit beschlossen, daß es sich diesmal bloß um dreitausend Goldmark zu handeln habe!“
„Dreitausend Goldmark?“, mir wurde ganz bleich um die Nase und Schwindel ergriff mich, „Bei allen Mächten des Himmels, um dies aufzubringen müßte ich das gesamte Anwesen veräußern!“
„Und was wäre schlimm daran?“, meinte der Revisor mit einem allzu sarkastischen Unterton, „Dann könnte es endlich in die Hände eines wohlhabenderen Mannes fallen, dem Grafen zum Beispiel. Und dieser Schandfleck von Spukhaus könnte – als Beispiel – einem Lustschloß weichen.“
„Ach und was wird dabei aus mir?“, blaffte ich dem Großrevisor an.
„Waret euren Ton, so daß er meiner angemessen bleibt!“, wurde ich in einem kühlen, überlegenen Tonfall ermahnt, wohlwissend, daß mehrere Beamte die Kutsche verlassen hatten um mich, falls notwendig mit Gewalt in die Schranken zu weisen.
„Ihr?“, fuhr er dann mit sachlichem Tone fort, „Nun auch für solche Eventualitäten hat der Graf in seiner großen Güte vorgesorgt. Schließlich hat er für solche Fälle das Armenhaus errichten lassen!“
Wut kochte in mir hoch und ich mußte mich stark zurückhalten um den Revisor nicht mit einem Faustschlag niederzustrecken. Doch waren mir die Konsequenzen leider viel zu gewahr und deshalb ließ ich ab von diesem Tun. Aber mir mußte möglichst schnell etwas einfallen, sonst wäre meine Geburtsstätte für immer verloren gewesen. So griff ich denn meinen erstbesten Gedanken auf: „Ihr wißt schon, das auf diesem Anwesen ein Fluch liegt?“
„Ein Fluch?“, kurz entglitten dem Revisor die Gesichtszüge, doch schon hatte er sich wieder gefaßt.
„Jawohl, ein Fluch! Mein Vater, dem es nach seinem Tode nicht vergönnt war in die Seeligkeit der Ewigkeit heimzukehren, und der hier immer noch spukt“, log ich, „hat ihn eines Nächtens ausgesprochen, als er rastlos durch die leeren Zimmer schritt, wohlwissend wieviel von unserem Hausstand ich veräußern mußte um eure Steuern zu bezahlen!“
„Und was soll das für ein Fluch gewesen sein?“, versuchte mir der nicht sehr gute Schauspieler furchtlos ins Gesicht zu lachen.
„Na, daß er all diejenigen die sich an mir, diesem Anwesen oder seinen Besitztümern unrechtmäßig vergreifen mit einem furchtbaren und grausamen Tod bedenken würde!“, wählte ich meine Worte mit forscher Zunge und haßerfüllten Blick, auf das sie auch in keinem Falle ihre Wirkung verfehlen mögen, „Das wäret dann ihr, der Graf und auch sonst ein jeder, der seine Finger in diesem Ränkespiel um dieses Anwesen auszustrecken wagt!“
Diesmal hatte der Großrevisor sein schauspielerisches Talent besser unter Kontrolle. Nur ein Schweißtropfen, der da seiner Stirn herunterrann, wußte von seiner unausgesprochenen Angst zu zeugen, als er mit klarem deutlichem Wort ein „Humbug!“ in die Abendluft entließ.
„Dann war dies auch nur eine Böe!“, kommentierte ich den nächsten Windstoß, der dort durch die Ritzen des alten Gemäuers heulte.
„Ja genau, eine Böe!“, wiederholte der unerwünschte Gast auf meinem Land ein wenig unsicher geworden meine Worte.
„So?“, meinte ich süffisant, „Dann tretet doch ein! Oder fehlt euch der Mut dazu?“
Ich spielte mit dem Feuer, ich spekulierte, nie hätte ich gedacht, daß er meiner Einladung folge leisten würde. Nie zuvor hatte er dies getan, so oft ich ihn auch reingebeten hatte. Und auch diesmal sah ich, wie er sich dagegen sträubte. Doch er nahm allen Mut zusammen, faste sich – dem Kloß im Halse Raum verschaffend – am Kragen und wagte dann einen Schritt über die Türschwelle.
„Dieses Spiel hast du verloren!“, dachte ich bei mir und wollte schon alle Hoffnung fahren lassen, als mit einem Male von oben ein Rasseln, ein Poltern, dann ein schriller unmenschlich klingender Aufschrei zu hören war, auf dem als Finale ein lauter Knall folgte. Der Revisor erstarrte augenblicklich zur schreckensbleichen Salzsäule. Drehte sich taumelnd der Ohnmacht nahe um und wankte, so schnell es seine weichen Knie erlaubten, mit festem Griff das Geländer umfassend, die Treppenstufen meiner Veranda hinunter., Bevor er zur Kutsche hinuntereilte, die der ebensobleiche Kutscher fast schon ohne ihn fortgetrieben hätte. Dann stoben sie davon.
Ich muß gestehen, auch mir hatte dieser Vorfall den Schrecken ins Gebein gejagt und ich brauchte einiges an Überwindung um in den ersten Stock zu gehen, wo ich die Herkunft dieser Laute vermutete. Endlich, als ich – nach ein paar Räumen – in der Küche angelangt war, sah ich zu meiner großen Überraschung und Erheiterung den Schnauberling vor mir liegen, auf seinem Kopf thronte noch der Suppentopf und ein kleinerer Topf zierte seinen Fuß als Schuhwerk. Hach, was mußte ich lachen, als der Schnauberling mich mit großen Augen schuldbewußt ansah. Auch wenn ich die Keksdose vielleicht besser anderen Orts aufbewahren sollte - ich muß zugeben: manchmal kann auch ein verfressener Schnauberling im Haus von nutzen sein.
Mittwoch, 25. März 2009
Momentaufnahme
Christopher schloß seine Augen und spülte in tiefen Zügen die morgendliche Frühlingsluft in seine Lungen. Bevor er – betört vom Blütenduft – seinen Blick schweifen ließ und sah wie die Sonne eifrig dabei war, den Himmel mit einem wunderschönen blau zu überziehen. Die Vogelschar erwachte langsam aus ihrem Schlaf und stimmte in das Konzert der Lärche mit ein. Vor ihm wogen in bunten Tupfen eine herrliche Blütenpracht aus Mohn- und Rittersporn im Gersteacker hin und her. Er wußte, daß die Blüten nur so herrlich dufteten und prächtig aussahen, weil sie Bienen anlocken wollten, doch das war ihm grade ganz egal. Ihm war, als hätte Gott höchstselbst dies alles nur für diesen einen Augenblick geschaffen. „Carpe Diem!“, sagt er zu sich selbst, „Carpe Diem!“, als er die Arme ausbreitete und mit gespreizten Fingern die Getreideähren erfühlend, damit begann durch das Gerstefeld zu schreiten.
Dienstag, 17. März 2009
Lichtdicht
Ein Licht ein Licht,
Steht vor Gericht!
Es ist zwar nun nicht grade hell,
Doch fuhr es leider viel zu schnell!
Und das ist nun mal nicht legal,
Auf deutschen Straßen gar fatal!
Auch einen Lappen hat es nicht!
Und der ist in Deutschland Pflicht!
Oh armes kleines dummes Licht!
Nein so etwas macht man doch nicht!
Deshalb muß man Dich bestrafen,
So ist das halt mit schwarzen Schafen!
Was denn das verstehst Du nicht?
Na ja, du bist nun mal kein helles Licht!
Steht vor Gericht!
Es ist zwar nun nicht grade hell,
Doch fuhr es leider viel zu schnell!
Und das ist nun mal nicht legal,
Auf deutschen Straßen gar fatal!
Auch einen Lappen hat es nicht!
Und der ist in Deutschland Pflicht!
Oh armes kleines dummes Licht!
Nein so etwas macht man doch nicht!
Deshalb muß man Dich bestrafen,
So ist das halt mit schwarzen Schafen!
Was denn das verstehst Du nicht?
Na ja, du bist nun mal kein helles Licht!
Das Opfer der Nacht
Kennst Du die Nacht, das Schattenreich wo im Herzen der Finsternis die Dämonen der Dunkelheit lauern?
Kennst Du die Furcht die Dich beschleicht, wenn schwarze Gesellen am Wegrand kauern?
Ist es nur Angst, die sich im Herzen nährt, und Deine Schritte mit Blei beschwert?
Dreh Dich nicht um, lauf nicht zu schnell, bald ist es geschafft, bald wird es hell!
Nicht mehr lang und doch so fern, was muß ich aus der Ferne hörn?
Hast Du ihn gemacht? Den Schrei in der Nacht? Der eilig zum ersticken gebracht!
Bist Du nun ein Opfer von finsteren Gassen und kannst das Schattenreich nie mehr verlassen?
Kennst Du die Furcht die Dich beschleicht, wenn schwarze Gesellen am Wegrand kauern?
Ist es nur Angst, die sich im Herzen nährt, und Deine Schritte mit Blei beschwert?
Dreh Dich nicht um, lauf nicht zu schnell, bald ist es geschafft, bald wird es hell!
Nicht mehr lang und doch so fern, was muß ich aus der Ferne hörn?
Hast Du ihn gemacht? Den Schrei in der Nacht? Der eilig zum ersticken gebracht!
Bist Du nun ein Opfer von finsteren Gassen und kannst das Schattenreich nie mehr verlassen?
Der Pirat Jim
Der kleine Jim war ein Pirat,
Mit Augenklappe, schwarzem Bart,
Mit Holzbein und mit Säbel gar,
Den hatte er von dem Papa.
Und nicht vom Gei wie oft erzählt,
Denn den hat er zu sehr gequält.
Gab ihn niemals die kleinen Kekse,
Und teilte nicht mal seine Schätze.
Drum startete der Papagei,
Eine kleine Meuterei!
Nun sitzt der kleine Jim zu dumm,
Auf einer winzgen Insel rum.
Und von seinen ganzen Schätzen,
Behielt er nur ne Dos mit Keksen.
Mit Augenklappe, schwarzem Bart,
Mit Holzbein und mit Säbel gar,
Den hatte er von dem Papa.
Und nicht vom Gei wie oft erzählt,
Denn den hat er zu sehr gequält.
Gab ihn niemals die kleinen Kekse,
Und teilte nicht mal seine Schätze.
Drum startete der Papagei,
Eine kleine Meuterei!
Nun sitzt der kleine Jim zu dumm,
Auf einer winzgen Insel rum.
Und von seinen ganzen Schätzen,
Behielt er nur ne Dos mit Keksen.
Abonnieren
Posts (Atom)


