Dienstag, 26. Februar 2013

Politisch Unkorrekt.

Negerkuss!
Mohrenkopf!
Sarottimohr!

So, genug politisch unkorrektes von mir gegeben. Es geht tatsächlich nochmals um Otfried Preußler. Der Thienemann-Verlag will nämlich alle „politisch unkorrekten Worte“ aus Preußlers Werken streichen, der Friedrich Oetinger Verlag wird hierbei wohl als Vorbild gelten, hat er solche unkorrekten Worte doch schon aus seinen verlegten Werken gestrichen. So hat es zum Beispiel auch Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ erwischt, deren Vater nun kein Negerkönig sondern fortan ein Südseekönig ist. Auch Worte wie Zigeuner sind dort dem Rotstift zum Opfer gefallen.

Was meint ihr dazu? Soll bei Neuauflagen auf Politcal Correctness geachtet werden? Sollte man nun auch Worte wie Weib aus dem deutschen Sprachgebrauch streichen, da sie ja heutzutage auch einen leicht negativen Touch haben und mit Frau ersetzten. Soll es zum Beispiel bei Goethe künftig „Wein, Frau und Gesang“ heißen? Oder sollte man von ihm die Finger lassen. Und wenn man von ihm die Finger läßt, wo darf man dann die Schere wieder ansetzen? Sind unsere Kinder zu zartbeseitet und naiv um von der Existenz von solchen Worten wie „Neger“ zu erfahren, oder kann man ihn den Umgang mit solchen Worten durchaus zutrauen, wenn man sie ihnen richtig erklärt?

Ich hoffe es wird nun angeregt diskutiert und freue mich auf eure Antworten.

Euer,
Kleckser

Kommentare:

  1. Hallo Kleckser,
    nein, mir gefällt die ganze Sache nicht. Denn wo hört es auf. Vielleicht fällt den Verlagen ja noch ein, dass man Klassiker doch in der heutigen Sprache verlegt, damit auch mehr junge Leute diese alten Bücher liest. Das ist absoluter Quatsch. Zumal es nicht verhindert, dass Kinder diese Worte, vor allem "Neger", erfahren und auch gebrauchen. Dann müsste man nämlich bei der heutigen Musik auch eine Schere ansetzen, wie bei Rappern, die diese Wörter allzu gern gebrauchen.
    Also ich bin nicht dafür. Es sind doch alles literarische Werke, die so bleiben sollten wie der Autor es geschrieben hat.
    Viele Grüße
    Denise

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  2. Man sollte die Verlage mit einem shit-storm an eMails eindecken. Sind die denn noch ganz bei Trost?!! Das geht gar nicht. An Werken der Weltliteratur hat niemand herumzupfuschen! Man sollte den entsprechenden Verlagen massenweise mit Boykott drohen, falls sie das weiter umsetzen. Einmal angefangen, macht so ein Quatsch vor nichts mehr Halt. Darum: Nein, nein und nochmals nein!
    LG Drago

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  3. Ich bin der Meinung sowas ist alles Quatsch. Auch wenn ich vielleicht hier gegrillt werde *lach* aber ich finde persönlich Worten wie "Neger", "Mohr" oder "Zigeuner" nichts schlimmes, wenn sie in Büchern stehen in deren Zeit dies nun einmal Alltag war die Dinge derartig zu nennen. OK, man kann nun darüber streiten ob dies richtig oder falsch war, ändert aber nix an den Tatsachen die schwarz auf weiß damals so in den Werken niedergeschrieben wurden. Als Sammler alter Dinge begegne ich auch öfter politisch nicht korrekten Texten, Zeichen oder Symbolen - aber das gehörte damals nun dazu. Nachträgliche Korrektur solcher Dinge ist auch eine Art Geschichtsverfälschung und Zensur - meine Meinung. Man lese nur einmal die Originalausgabe von Huckleberry Finn - wie oft ist hier von "Nigger" die Rede. Richtig, sowas sagt man nicht, aber damals wurde es genauso gesagt - egal ob richtig oder falsch. Wenn man diese Texte nun verändert, verändert man die ganze Atmosphäre und das ganze Umfeld eines solchen Buches - es ist nicht mehr stimmig. Ähnlich ist es ja mit so Sachen wie "Mohrenkopf" - heute "Schaumkuss" *lach* also ich finde nun diese Ausdrücke nicht wirklich erniedrigend oder diskriminierend - von mir aus könnte es auch einen "Bleichkuss" geben, wär mir auch egal *lach* man sollte nicht so in den Krümeln suchen sondern sich lieber um echte Diskriminierung in der Welt kümmern - wo alle wegschauen.

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  4. Hallo Bernd,

    wenn es sonst keine Probleme in der Welt gäbe, könnte (müsste aber auch nicht) man sich dieser Sache annehmen. Aber wenn, dann dergestalt, dass beide Varianten (Original und "Fälschung") angeboten werden. Jeder Einzelne könnte dann entscheiden, was er kauft.
    Außerdem ist das Wort Neger nur von "negro" abgeleitet, was auch Schwarzer heißt. Dürfen wir auch bald nicht mehr Schwarzer sagen? Die Katze beißt sich in den eigenen Schwanz.
    Ich habe auch Zigeuner kennengelernt, die gar nichts dagegen hatten, dass man sie als Zigeuner bezeichnete. Ich kann nicht unterscheiden, ob jemand nun Sinti oder Roma ist.
    Es ist ein IRRSINN!

    Beste Grüße

    Thomas

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  5. Ich leg mich mal neben Björn auf den Grill:

    Es sind niemals Worte selbst, die verletzen, diskriminieren oder beleidigen - es sind die Menschen, die sie zu diesem Zweck nutzen. Heute eliminieren wir Neger, Zigeuner und was weiß ich noch alles. Morgen sind dann Sau, Kuh und der blöde Affe dran ... Worte wie Diktator und König sind undemokratisch - wann schaffen wir die ab. Und Männer und Frauen müssen gleichgemacht werden. Ab heute nennt mich doch bitte Sapiens (mit Homo könnt's demnächst Probleme geben).
    Jene die meinen, die Welt durch Formalismen menschlicher zu machen, haben offenbar Ahnung, was Menschlichkeit ist und wie man sie erreicht. Darum kommen wir in dem Punkt auch keinen Millimeter weiter.
    Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit beginnen im Herzen - wenn sie da nicht sind, hilft auch "das demokratische Südseesapiens" nicht.

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